"Wer müde ist vom Denken, sollte etwas mit den Händen machen."
Es war Ende März 2022, da sind mir die Sicherungen durchgebrannt. Ich hatte das Gefühl, nichts zu können und nichts zu wissen. Als Anwältin im falschen Beruf, als Mensch im falschen Leben zu stecken.
Nichts ging mehr. Ich wollte meinen Frust und meine Wut rausschreien, zum Rundumschlag ausholen.


Und noch etwas wollte ich:
Ich wollte töpfern.
„Ich habe die ganze Zeit dieses Bild vor Augen wie ich eine Vase hochziehe. Da habe ich total Bock drauf.“, schreibe ich am 22. März 2022 in mein Tagebuch. Dabei war ich damals weit davon entfernt, irgendetwas aus Ton „hochzuziehen“. Ich hatte zwei Töpferkurse besucht. Und was dabei herausgekommen war, hatte wenig mit einer Vase zu tun.
Dennoch: Die Vorstellung, wie sich der Ton unter dem Druck meiner Finger in die Höhe schraubt, hat mich in dieser Zeit immer wieder aus meiner Wohnung gelockt, um mein Glück in diversen Töpferstudios Berlins zu versuchen.


Seitdem sind vier Jahre vergangen. Ich habe die Kanzlei gegen mein eigenes kleines Töpferstudio in Berlin Friedenau getauscht. Dort erhole ich mich vom Denken und mache sehr viel mit den Händen. Feine Becher. Bunte Obstschalen. Und auch die ein oder andere Vase.
